Sahneschnittchen der Blasmusik

VJO Heilbronn und Bläserphilharmonie Zollernalb gemeinsam auf der Bühne

Dirigent Peter Pfeiffer ist nichts anzumerken. Erst recht nicht seinen Youngsters zwischen 15 und 28 Jahren, die bis kurz vor Saalöffnung auf und vor der Bühne der Harmonie fürs Photoalbum respektive Smartphone posieren. Dem Anlass entsprechend würde manch anderes Orchester in der Garderobe verharrend und besonders schwierige Passagen repetierend dem Höhepunkt des Konzertjahres entgegenfiebern. Für den Profi Pfeiffer und das Verbandsjugendorchester Heilbronn, allesamt Laienmusiker aus rund zwanzig Musikvereinen, scheint es kein Lampenfieber zu geben. Wie jedoch die jungen Damen und Herren aus reiner Freude an sinfonischer Blasmusik, monatlichen Proben über ein Dreivierteljahr inklusive Probenwochende eine Klangwelt herbeizuzaubern in der Lage sind, die allenfalls von einem Ensemble aus Berufsmusikern zu erwarten wäre, bleibt wohl Betriebsgeheimnis des exzellenten Auswahlorchesters des Blasmusik-Kreisverbandes Heilbronn. Eine professionelle Einstellung und die Neugier auf ambitionierte Projekte machen auch selten gespielte Orchesterwerke wie „The Lord of the Rings“ möglich. Selten? Howard Shores kongenialer, mit Oscar- und Grammy geadelter Soundtrack zur Hollywood-Verfilmung der Roman-Trilogie „Der Herr der Ringe“? Trotz höchster Qualität genügt Filmmusik nicht immer den spezifischen Anforderungen von Orchesterwerken für den Bühnenvortrag. Mit der Wahl der Tolkien-Romanvertonung aus der Feder des niederländischen Komponisten Johan de Meij als Sinfonie in fünf Sätzen entscheidet sich das VJO vorzugsweise für ein Werk, das statt Leinwandimpressionen zu unterfüttern auf das Generieren eigener Bilder im Kopf des Zuhörers setzt. So sorgen punktgenaue Bläsersätze für ein beeindruckendes Porträt des Zauberers Gandalf, geleitet tiefes Blech durch die Wälder von Mittelerde und zeichnet das Sopransaxofon des Solisten Luca Prechtel ein furchterregendes Psychogramm des zwielichtigen Wesens Gollum. Großes Kino für die Ohren wie auch Augenschmaus dank eindrucksvoller Illustrationen des erst siebzehnjährigen Jakob Heiss auf Großleinwand. „United Music“ - Doppelkonzert und kreisübergreifende Kooperation. Waren die Heilbronner Anfang Oktober in Balingen zu Gast, revanchiert sich die Junge Bläserphilharmonie Zollernalb in der Käthchenstadt mit Sahneschnittchen aus der Welt sinfonischer Blasmusik. Tragischerweise nicht nur in positivem Kontext. Mit Mario Bürkis feierlicher „Hymn for my Daughter“ verabschieden sich die Gäste von ihrer erst vor wenigen Wochen verstorbenen Klarinettistin Karolin Beck. Mit Würde und bewegender Schweigeminute. Unter der agilen Stabführung ihres Dirigenten Johannes Nikol glänzen die Gäste von der Zollernalb mit Alfred Reeds inspirierendem „Viva Musica!“ und einer Huldigung an das - nach eigener Aussage - „beste Instrument der Welt“ im Form einer „Rhapsody for Euphonium and Concertband“ von James Curnow, mit der Solist Stefan Bitzer einen überzeugenden Beweis dafür erbringt, dass das im eigentlichen Wortsinn „wohlklingende“ Blechblasinstrument auch äußerst virtuos gehandhabt werden kann. Mit spürbar überbordender Freude am Kräftemessen mit schwierigsten Partituren auf höchstem musikalischem Niveau verabschieden sich beide Orchester „United“ mit weit über hundert Mitwirkenden bei einer begeisterten Zuhörerschaft.


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